Gern leise – aber ohne Diskriminierung !

Europaweit lacht man sich mal wieder kaputt über die Deutschen. In deutscher übergründlicher Regelungswut will man Motorradlärm durch restriktive Maßnahmen gegen alle Motorradfahrer eindämmen, am liebsten mit Verboten!

Reflexiv antwortet die Gemeinschaft der Motorradfahrer – die Fachpresse, selbst fahrende Journalisten – alle überbieten sich in der Kritik. Schon gibt es diverse Plattformen, auf denen man Online-Petitionen unterschreiben kann gegen den Inhalt und die Absicht dieser Entschließung. Soweit – so gut?

STRESSPRESS ist aufmerksam: Wir forschen nach – was ist passiert?

Der Bundesrat hat in seiner 989. Sitzung am 15.05.20 auf Antrag des Landes NRW unter dem Briefkopf des Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) vom 10.03.20 eine Entschließung¹ gefasst:
Zitat:“
Bundesrat ergreift Initiative gegen Motorradlärm
Der Bundesrat setzt sich dafür ein, den Lärm von Motorrädern zu verringern. In einer am 15. Mai 2020 gefassten Entschließung spricht er sich dafür aus, die zulässigen Geräuschemissionen aller neu zugelassenen Motorräder auf maximal 80 dB(A) zu begrenzen. Die Bundesregierung solle sich bei der Kommission entsprechend dafür einsetzen.
Härtere Strafen fürs Tunen
Außerdem hält der Bundesrat härtere Strafen für das Tunen von Motorrädern erforderlich, wenn es eine erhebliche Lärmsteigerung zur Folge hat. Das Sound-Design, über das Fahrerinnen und Fahrer die Soundkulisse selbst einstellen können, müsse verboten werden.
Bei zu viel Lärm sofort sicherstellen
Darüber hinaus fordern die Länder das Recht für Polizisten, Fahrzeuge bei gravierenden Lärmüberschreitungen sofort sicherzustellen oder an Ort und Stelle zu beschlagnahmen.
Problem der Erkennbarkeit
Weiter müsse eine Lösung dafür gefunden werden, dass Raser häufig einer Strafe entgingen, weil sie aufgrund der Helmpflicht und fehlenden Frontkennzeichens am Motorrad nicht erkannt würden. Auch bei der Haftung macht der Bundesrat Änderungen geltend, um die Halter eines Motorrads zumindest für die Kosten der Erstellung eines Bußgeldbescheids belangen zu können.
Begrenzte Verkehrsverbote an Sonn- und Feiertagen
Für notwendig halten die Länder es auch, aus Lärmschutzgründen zeitlich beschränkte Verkehrsverbote für Motorräder an Sonn- und Feiertagen zu ermöglichen. Motorräder mit alternativen Antriebstechniken sollten davon ausgenommen werden. Überhaupt solle die Bundesregierung den Umstieg auf nachhaltige und lärmarme Mobilität mit alternativen Antriebstechniken verstärkt unterstützen.
Silent Rider unterstützen
Abschließend bittet er die Bundesregierung, Initiativen wie „Silent Rider“ zu unterstützen. Dabei handelt es sich um einen Verein, der sich gegen Motorradlärm engagiert. Mitglieder des Vereins sind Kommunen und Interessengemeinschaften.
Bundesregierung am Zug
Die Entschließung wurde der Bundesregierung zugeleitet. Diese entscheidet, ob und wann sie die Anregung des Bundesrates umsetzen will. Feste Fristen gibt es hierfür nicht.
Stand: 15.05.2020
“ Zitatende.
Hierzu gibt es vieles zu sagen. Für den Autor dieser Zeilen am treffendesten hat es Markus Becker vom Spiegel (23.05.20) zusammen gefasst ².
Zitate: “
Die berechtigten Interessen der Anwohner und die der Motorrad Fahrenden gilt es, in einen fairen Ausgleich zu bringen“, heißt es in dem Beschluss. Das ist gleich doppelt geschwindelt: Weder ist erkennbar, dass der Bundesrat die Interessen der Motorradfahrer als berechtigt ansieht, noch, dass er sich um einen fairen Ausgleich bemüht. Stattdessen übernimmt er vollständig die Forderungen der Anti-Motorrad-Lobby, die sich nicht zu schade ist, auch mit irreführenden Informationen zu operieren.
….
Dabei ist nicht einmal klar, wie groß das Problem ist. Rund 30 Prozent der Motorradfahrer fallen durch „massive Lärmentwicklung“ auf, behaupten etwa die Vereinigten Arbeitskreise gegen Motorradlärm (VAGM) auf ihrer Website und berufen sich dabei auf das Umweltbundesamt und eine Studie des Motorradherstellerverbands ACEM. Das UBA aber teilt auf Nachfrage mit: „Es liegen keine Daten vor, wie viele Motorräder außergewöhnlich laut im Straßenverkehr betrieben werden.“

….

basiert die Studie auf Quellen, die mindestens 17 Jahre alt sind und damit bestenfalls aus Zeiten der Euro-1-Norm stammen. Seitdem wurden die Lärmvorschriften für Motorräder deutlich verschärft. Dennoch kam die ACEM-Studie schon damals zu dem Ergebnis, dass sogar leistungsstarke Sportmotorräder oberhalb von 80 km/h in der Regel leiser sind als Pkw

….

Und Urlaubsreisen per Flugzeug? Eine noch größere Umwelt- und Klimasauerei als Kreuzfahrten, außerdem verbunden mit massiver Lärmbelästigung von Stadtbewohnern, die das Pech haben, in der Nähe eines Airports zu wohnen. Auch das also gehört: verboten.

„Zitatende.
Wir empfehlen die Lektüre des unten nachgewiesenen Artikels.

Die Meinung des Admins dazu:
Das alles, was der Bundesrat fordert, geht gar nicht!
Einerseits sehe ich natürlich die vielen schwarzen Schafe und die immer noch bei vielen Treffs vorherrschende Meinung: je lauter, desto geil. Und ich habe Verständnis für die Anwohner der betroffenen Regionen. Aber es darf keine pauschalen Maßnahmen gegen eine (zahlenmäßige) Minderheit geben. Es kann keine Kollektivstrafen geben!
Andererseits sollten wir alle die schwarzen Schafe auch in unseren Reihen diskreditieren, ansprechen und mit Mißachtung behandeln. Angefangen vom Harleyfahrer, der am Lenker den Schalter betätigt, der die Auspuffklappe öffnet und den Verbrennungsknall kaum gefiltert in die Landschaft entlässt (ähnliches gibt es m.W. übrigens bei Posche auch als ‚Extra‘ zu ordern!) bis hin zum BMW-S1000R-Fahrer, der ab Werk mit unnötigem Lärm beschallt wird ³.
Ich muss mit meinem Hobby nicht alle anderen Menschen dieser Welt beeindrucken und möchte selbst gern eher unauffällig durch die Landschaft streifen.

Und nun Feuer frei für die Diskussion!

Und hier noch Petitionen zum Unterschreiben gegen völlig überzogenen Maßnahmen:
https://www.openpetition.de/petition/online/keine-fahrverbote-fuer-motorraeder-an-sonn-und-feiertagen-2
https://www.openpetition.de/petition/online/keine-aenderung-der-stvo-stvzo-aufgrund-des-forderungskatalogs-zur-reduzierung-von-motorradlaerm

 

 

¹(Nachzulesen ganz weit unten auf: https://www.bundesrat.de/DE/plenum/bundesrat-kompakt/20/989/10.html?nn=13980930#TOP-10 )

²(Nachzulesen bei: https://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/dann-aber-fahrverbote-fuer-alle-a-3931a8dc-1c4c-4dbf-b032-573c1b8af9ef )

³ Meine Euro3-BMW-S1000R von 2015 hat eine „Schubakustik“. Das bedeutet, das beim Schließen des Gasgriffs irgendwie eine Restspritmenge nachverbrannt wird, die ein Bollern und Knallen im Auspuff erzeugt (nur im ‚Rain-Modus‘ nicht). Manche finden das geil – ich finde es empörend, da es mir und mit Sicherheit auch der Umwelt unnötig auf die Ohren geht und ich es nicht abschalten kann! Beim Softwarespezialisten kann man es ausprogrammieren lassen – kostet die Kleinigkeit von rund 250€.

2 thoughts on “Gern leise – aber ohne Diskriminierung !

  1. Das Ganze ist doch eine Farce ! Hier will die Politik ihr Unvermögen durch Hinterherreden bei den Beschwerdeführern übertünchen ! Man muss irgendwo einen Sündenbock herholen.
    Angefangen von der Gemeindevertretung, über den Kreis,das Land bis zum Bund.
    Es gibt in Deutschland nun wirklich mehr als genug Gesetze,Verordnungen u.s.w. Anstatt diese mal umzusetzen, wird Geschwafel verteilt. Die Damen und Herren der Polizei dürfen sich gern mal von ihren Stühlen erheben und uns von diesen Rasern und Lärmern befreien,( das gilt für alle Fahrzeugkategorien ! ) die Möglichkeiten haben sie schon jetzt,dazu braucht es nicht noch neuen Schwachsinn.
    Aber die Polizei beschränkt sich scheinbar lieber auf PR-Filmchen auf YouTube,anstatt ihren Job zu machen und auch für uns Motorradfahrer für Ruhe und Sicherheit zu sorgen.
    Der Punkt ist nur der,das darf der Staat bezahlen und mit diesem geplanten Schwachsinn geht es auf Kosten der Motorradfahrer.
    Deutsche Strassenverhältnisse = Kriegszustand

    Gruss aus dem Elchland !

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