Österreichischer Schwachsinn gegen halsstarrige Motorradfahrer

Österreich macht Ernst: Während in Deutschland noch über ein Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen für laute Motorräder diskutiert wird, sperrt das Land Tirol beliebte Bergstraßen für alle Motorräder, die in den Papieren ein Standgeräusch von mehr als 95dB eingetragen haben. Die Gesetzesänderung tritt am 10. Juni in Kraft und gilt auch für Urlauber, bis 31.10.20. Wer gegen die Sperrung verstößt, muss mit einer Geldstrafe von 220 Euro rechnen, teilte die Landesvertretung mit.
Betroffen sind die beliebten Ausflugsstrecken Bschlaber-, der Hahntennjoch-, der Lechtaler-, der Berwang-Namloser und der Tannheimerstraße. Die Maßnahme basiert auf einer Lärmstudie aus dem vergangenen Jahr. Der Motorradverkehr an den Sommerwochenenden und insbesondere das hochtourige Fahren bei Beschleunigungs- und Bremsvorgängen empfinden die Bewohner als am meisten störend. Laut dem Leiter der Verkehrsrechtsabteilung sind aktuell etwa sieben Prozent der in Österreich zugelassenen Motorräder von der Sperrung betroffen. Ihr Nahfeldpegel überschreite einen Wert von 95 Dezibel. Gemeint ist das Standgeräusch, also der Schall des Betriebsgeräusches, welches das Fahrzeug im Stand aussendet.

Es war ja zu erwarten, dass irgendwann ein drastischer Schritt unternommen wird. Seit den Anfängen der STRESSPRESS haben wir uns immer gegen die übertriebenene und unnötige Lärmmacherei beim Motorradfahren ausgesprochen. In den 70er Jahren gab es einen schönen WEttbewerb zum Thema „Laut ist Out“. Offensichtlich haben aber die meisten Motorradfahrer überhaupt nichts begriffen. Wenn ich mich auf den „Biker-Treffs“ so umhöre, scheint für die meisten möglichst viel Lärm zum Motorradfahren dazu zu gehören. Alle Nichtmotorradfahrer und jene, die keinen Lärm mögen, müssen dies aushalten. Nun gibt es eine Quittung für dieses umwelt- und menschenverachtende Verhalten.

Warum ich solche Sperrungen trotzdem für schwachsinnig halte?
Die Behröden und die ihnen vorgeordneten Gesetzgeber haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht! Man kann nicht jahrelang Motorräder produzieren und legal verkaufen lassen, die genau diese Lärmmentalität bedienen. Warum gibt es nicht schon lange Vorschriften, die strenger als Euro 3-4-5 sind, warum wurde mit Euro5 zwar die Abgasqualität verbessert, aber wieder die Lärmminderung ausgesprt und verschoben? Warum lässt man Klappenauspuffe zu – also jenes legale Austricksen der Messmethoden? Hat man aus dem Dieselskandal nichts gelernt?

Jetzt schüttet man das Kind mit dem Bade aus und enteignet quasi die Motorradfahrer – zumindest nimmt man ihnen die Möglichkeit, ein legal gekauftes Produkt zu benutzen. Dies betrifft vor allem die motorradfahrenden Anwohner der gesperrten Strecken.

Zu diesem Thema interessant auch der vorhergehende Post: http://stresspress.eu/gern-leise-aber-diskriminierung

Ganz ehrlich: wenn es eine Möglichkeit gäbe, mein Motorrad (BMW S1000R) leiser zu machen, dann täte ich es, auch unter Verlust einiger PS. Der Krach, den das Ding macht, zudem die „Schubakustik“ nervt mich als Fahrer eher mehr als die Anwohner, weil ich es die ganze Fahrt über ertragen muss (trotz Ohrenstöpsel!).

2 thoughts on “Österreichischer Schwachsinn gegen halsstarrige Motorradfahrer

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